Island. Ach Island!

Guten Tach, dies könnte theoretisch ein sehr kurzer Blogpost werden, denn mit „Island. Ach Island!“ wäre eigentlich schon alles gesagt – zumindest dann, wenn man sich noch einen tiefen Glücksseufzer dazu vorstellt. Aber praktisch hat Island den schönsten Blogpost verdient, den ich je geschrieben habe. (Na toll, das kann ja nur schief gehen!)

17 Jahre lang habe ich von dieser Reise geträumt. Genauer: Ich habe davon geträumt, eines Tages in Island an einer Klippe zu stehen und alles rauszuschreien, was rausgeschrieen gehört. Alles, was jemals weh getan hat, alles was zu schwer und zu hart ist, um es für immer mit mir herum zu schleppen – all das sollte vom Wind gepackt und ins Nirgendwo getragen werden. Island sollte heile machen…vieles, vielleicht sogar alles.

Natürlich ist das ein bekloppter Traum. Das hat was von „Und dann kommt eine gute Fee, kloppt mir mit ihrem Feenstaubzauberstab 3x zärtlich aufn Kopp und alles ist wieder paletti ich bin ein ganz neuer Mensch“. Sowas funktioniert nicht. Weiß man doch.

Aber so ist das eben mit Träumen. Träume dürfen groß und unrealistisch sein. Und genau so erging es mir über die Jahre mit Island. Mein Traum von dieser Reise war irgendwann so groß geworden, dass ich selbst nicht mehr wirklich daran glaubte, ihn eines Tages zu verwirklichen.

Vielleicht kennt Ihr sowas? Manche Dinge sagt man irgendwann einfach nur noch, ohne sie wirklich zu meinen. „Irgendwann höre mit dem Rauchen auf!“, „Ich nehme bald ab und dann passen mir auch wider meine alten Hosen!“ oder „Wenn die Kinder groß sind, ziehe ich in den Süden!“. Klingt gut, hat man irgendwann auch sicher mal sehr ernst gemeint, aber mit der Zeit verkümmert solch ein Vorhaben oft zu einer eher daher gesagten Quasselfloskel. Zu etwas, das man eben einfach nur so sagt. Weil man es (gefühlt) immer schon gesagt hat. Das ist ein bisschen traurig, aber vor allem auch sehr praktisch, denn hinter solchen Floskelträumen kann man sich auch wunderbar verstecken – vor sich selbst und dem eigenen Schweinehund.

„Eines Taaaaages, daaaaann…“ klingt nach Sehnsuchtszielen, nach Herzensvisionen und großen Plänen. Klingt schön, aber manchmal vergisst man, dass man es selbst ist, der dem Ganzen dann auch irgendwann ein lautes, mutiges „J E T Z T !“ in die Traumvisage malen muss.

Dass meine Islandtraumfloskel zu einem JETZT wurde, habe ich meiner Mutter zu verdanken, die mir einen Großteil dieser Reise zu meinem letzten Geburtstag geschenkt hat. Am Abend zuvor saßen wir zusammen und haben gequatscht – über dies und das. Irgendwann kam von meiner Mutter ein Geburtstagsgeschenkvorschlag. Ich weiß beim besten Willen nicht mehr worum es sich dabei handelte, aber sie hatte irgendetwas vorgeschlagen, was ich echt nicht haben wollte. Also antwortete ich: „Nääääää. Schenk mir lieber ne Islandrundreise!“.

Das war als Witz gedacht. Ein Spruch. Ein lustiger Konter. Aber meine Mutter so: „Okay!“. Und dann saß ich heulend auf dem Wohnzimmerboden und hab immer wieder nur „Echt?!“ und „EEEEECHT?!?“ gefragt.

Ja, echt.

Und dann kam die Sache mit dem Traum, der einem plötzlich zu groß vorkommt. So groß, so unrealistisch, dass man Schiss vor der eigenen Courage bekommt. Schiss im wahrsten Sinne des Wortes, denn in den letzten Tagen vor meiner Abreise habe ich kleiner großer Psychosomatikheini seeeeehr viel Zeit aufm Klo verbracht. Ich hatte solche Angst, dass ich am liebsten alles abgeblasen hätte. Und ja, ich weiß wie Banane das klingt. Da träumst Du ewig von dieser einen Reise, bekommst sie dann geschenkt und wenn es endlich losgehen soll, möchtest Dich am liebsten einfach unterm Bett verstecken. Aber plötzlich hatte ich nur noch Angst. Angst vor Islands Weite und Angst davor, dass ich mich darin vollkommen klein und verloren fühlen könnte. Ich hatte Angst vor Islands Stille und Angst davor, dass alles um mich herum so leise sein würde, dass schwere Gedanken ganz laut werden könnten. Ich hatte Angst vorm Alleinsein, ich hatte Angst vor der Angst und Angst vor meinem Mut bzw. davor, dass er nicht ausreichen könnte. Und am Ende hatte ich mich dann so bekloppt gemacht, dass ich sogar Angst davor hatte, dass mir in Island Bäume fehlen könnten, weil ich gehört hatte, dass es in Island kaum Bäume gäbe.

Aber genau in dem Moment, in dem ich mich drei Tage vorm Abflug am kleinsten gefühlt habe, hat mir ein Gespräch etwas vor Augen geführt, was ich – die alte „Einfach machen“-Tante – fast vergessen hätte: ICH WILL GRÖSSER SEIN ALS MEINE ANGST!

Denn wenn ich daran glaube, dass man im Leben mit Blick auf die eigene Weiterentwicklung EINE Aufgabe hat, der man sich selbst gegenüber verpflichtet ist, dann ist es eben genau das:

Also bin ich am 7. Mai tatsächlich in dieses Flugzeug gestiegen, um meinem Traum das Gefloskel auszutreiben…und um zu wachsen.

Das, was Island dann mit mir gemacht hat, kann ich kaum in Worte fassen. Seit meiner Rückkehr kaue ich auf diesen Gefühlen herum, um sie als halbwegs anständige Sätze ausspucken zu können. Aber eigentlich möchte ich noch gar nichts ausspucken, sondern das Gefühl so sehr ich kann einfach noch ganz tief in mir wohnen lassen. Vielleicht geht mir ja etwas davon flöten, wenn ich es rauslasse?! Ja, solche Gedanken mache ich mir wirklich…und fühle mich dabei wie eine dicke, fette Henne, die zufrieden brütend auf ihren Gefühlseiern hockt. („Frau Pott, was sind denn Gefühlseier?!“ …Maaaahhh, Ihr wisst doch was ich meine!)

So. Ich hatte an dieser Stelle einen Cut gemacht und den Text über Nacht ruhen lassen, um die Sache mit den richtigen Worten und den Gefühlseiern noch mal abzuwägen. Aber ich lasse es hiermit erst mal gut sein. Wenn sich nach 17 Jahren so ein großer Traum erfüllt, dann braucht es vielleicht einfach etwas mehr als ein paar Wochen, um zu beschreiben, was das mit einem gemacht hat, was es ausgelöst und bedeutet hat und noch bedeuten wird. Aber die Dankbarkeit, die sich wie ein Islandpulli um diese wunderschöne Erfahrung schmiegt, hält die Erinnerung zum Glück noch sehr warm – und ich erzähle lieber erst dann davon, wenn die Worte auch wirklich raus wollen.

Danke, Island. Danke, Mama. Und danke an alle lieben Menschen, die mich via Instagram (Stories) so herzlich auf meiner Reise begleitet und so sehr mit mir mitgefühlt haben. „Zusammen ist man weniger allein“ – und ich bin dankbar, dass Ihr mir dieses Gefühl während meiner bisher wichtigsten Alleine-Reise immer und immer wieder vermittelt habt!

Merke I: Weniger Drama, mehr Selbstvertrauen!

Merke II: Open mind for a different view…and nothing else matters.

  • kindausmruhrpott
    22. August 2017

    Ach Island!

  • MOttenMaedchen
    22. August 2017

    Wundervoller Text und fantastische Bilder!
    Ich finde du hast wirklich recht mit dem was du sagst! Es ist immer so einfach sich hinter solch großen Träumen zu verstecken. Umsetzen! ist die Herausforderung und nur so kommt man dann auch wirklich weiter.
    Danke Juli 🤗

  • Devin Hänel
    22. August 2017

    Island ist ein Mega Land. Würde wenn ich jetzt könnte sofort hin!
    Und Danke fürs mitnehmen

  • LAura
    22. August 2017

    Auch für diese Reise ein klares Danke, dass du uns mitgenommen hast. Ich war nicht nur von der sagenhaften Landschaft von Island überwältigt, sondern wirklich auch von dir Juli. Man hat gemerkt, dass diese Reise was mit dir macht und sich verändert und ich saß oft mit Tränen vor dem Handy, weil du mal wieder einen super emotionalen Moment mit uns geteilt hast – Also einfach danke. 💕

  • HerrMab
    22. August 2017

    Ich bin Begleiter deiner Island -Reise geworden, nachdem mich meine Frau drauf aufmerksam gemacht hat. Jetzt versteht Sie auch warum ich mal dorthin will.
    Einen toller Post darüber :-)….

  • Linusundschroeder
    22. August 2017

    Hatte schon wieder Gänsehaut beim Lesen und fühlte mich in den Mai zurück versetzt und Deinen InstaStories aus Island ;o)

  • Natalie
    22. August 2017

    Du schreibst so schön. Wow! Wow! Einfach nur wow! 💖

  • FINCHENMAGSMEER
    23. August 2017

    Danke, das du mich und all die Anderen mitgenommen hast auf diese Reise – per Insta-Stories konnte ich dich näher kennen lernen und folge Dir seitdem auf deinem Weg und freue mich und leide mit Dir, wenn mal wieder was nicht so funktioniert, wie gedacht… und denke dann, das es so schön ist, zu sehen, wie Du mit all dem umgehst! Deine Gefühle und Gedanken sind so echt und voller Herz, da möchte man einfach mitkommen und mitlesen und mitschauen. Danke fürs Teilen, bitte mehr davon und ich wünsche Dir für all Deine zukünftigen Abenteuer viel Mut und Spaß und Freude und schicke an Dich und Bronco (Deinen wunderbaren Reisebegleiter 😉 ) ganz liebe Grüße! 💖

  • Lisa
    12. Oktober 2017

    Ich hab gerade echt Tränen in den Augen!

Add Comment

Tiptop Tipps: São Miguel
Natur & Gefühle = geile Säue